Die Mühlviertler, sagen zu allen gleich „du“!

„Sei gastfreundlich“, war das Credo meiner Eltern, „…biete Wanderern ein Glas Wasser oder Most an, wechsle ein paar freundliche Worte mit ihnen, und lass sie frohen Mutes weiterziehen…“

Schau was du im Kühlschrank hast, lade ein paar Freunde ein, koche mit ihnen oder richte für sie eine kleine Jause her und verbringe eine lustige Zeit mit ihnen.

Wie wäre es wieder einmal mit Knackerbraten am offenen Feuer im Garten? Vielleicht mit Nachbarn, die du noch nicht so gut kennst?

Lege dir gute Musik auf, ziehe deine Schuhe oder Schlapfen aus und B E W E G E dich zur Musik! 🙂

Die Mühlviertler waren früher Bauern, Weber, Handwerker, und vor allem fleißig. – Gefeiert und getanzt wurde zu besonderen Anlässen…

Die Oberen Mühlviertler stehen mit beiden Beinen auf der Erde; geologisch gesehen auf Granit. Sie haben meist emsige Hände, in der Vergangenheit schwielig vom vielen Arbeiten, und einen Dickschädel, sagt man. Damit gemeint ist Durchsetzungsvermögen, manchmal Sturheit oder …? Nein, engstirnig ist er nicht! – Meistens nicht. -Wie könnte man? Wenn es doch Gegenden gibt, mit Ausblicken, die einen Weitblick bis zu den Alpen gestatten…

Manchen Einwohnern sieht man entfernt slawische Wurzeln an: die Haare hellblond bis brünett, mit hohen Wangenknochen und einem kräftigen Körperbau. Manchen Roma-Einfluss an den kräftigen Augenbrauen und der Liebe zu bunten Trachten?…

Die Mühlviertler sind fleißig, sagte ich das schon?, gastfreundlich, hilfsbereit, doch manchmal auch schwer zu „knacken“. Sie sind etwas reserviert, wenn auch freundlich. Die wenigsten tragen ihr Herz auf der Zunge. Die Hälfte meiner Familie schon.

Der Eiserne Vorhang nach Tschechien befindet sich unterschwellig noch in unserem Denken und Herzen. Wir können noch immer kein Wort tschechisch; trotzdem mögen wir Tschechien – vor allem wegen der unberührten Landschaft, den Radausflugs- und Wandermöglichkeiten . Und den guten böhmischen Mehlspeisen, die auch wir Mühlviertler in abgeänderten Formen kennen.

Ansonsten sind wir sehr umgänglich und manchmal auch ein wenig fad, in den Augen der Großstädter.

Getanzt wurde früher mit Socken in den Stuben und Lederschuhen auf den Tanzböden, als Paar oder in einer Volkstanzgruppe. Anlässe gab es genug. Hochzeiten, Feste und Kirtage.

Ich gebe es zu, ich bin ein Kind der 80-er und stürzte ins Discofieber, sobald ich die Erlaubnis bekam, mit meinen älteren Geschwistern fortzugehen. Die Discomusik war mit viel Synthesizern und meine Blusen und Sakkos mit Schulterpolstern aufgepeppt. Und die Lieder von Nena waren die rockige, rebellische, rotzige Version von Nicoles „ein bisschen Frieden“.

Als gut erzogene, rücksichtsvoll erzogene, jedoch pubertierende Bauerstocher, schwankte ich zwischen diesen beiden konträren Idole der 80-er, um mich schließlich irgendwo in der Mitte zu finden….

Die Mühlviertler sind gastfreundlich und am Stammtisch und im Geschäft auch gleich mal per du mit dir.

Fast wie die Schweden. 😉

Gerne wird vor dem Haus mit Fremden und Wanderern ein kleines Schwätzchen geführt. Früher, um von der schweren landwirtschaftlichen Arbeit eine kleine Pause und eine nette Abwechslung zu haben. Ein Glas Wasser oder ein Schluck aus dem Mostkrug wurde gerne angeboten. Besucher zu Hause bekamen jederzeit eine Speckjause mit Brot, Butter und Topfenkäse; mit einem kleinen Schnapserl.

Foto: Christa Gaigg

Die Mühlviertler sind meist zufrieden mit dem, was sie erreicht haben:

einen sicheren Job/Beruf zu haben, der ihnen Freude bereitet,

ein eigenes Dach über dem Kopf zu haben (im Idealfall ein Haus mit Garten und ein Bett mitbLeinenbettwäsche 😉 ).

Eine Familie gegründet zu haben…

Auch wenn nebenbei oft viel Zeit für Vereine geopfert wird. Manche sind echte „Vereinsmeier“ und Mitglied beim Sportverein, Musikverein, bei der Freiwilligen Feuerwehr, der Volkstanzgruppe, … Überall wird tatkräftig mitgeholfen, wo jemand gebraucht wird.

– Netzwerken auf ländliche Art? – Vielleicht sind die Mühlviertler einfach nur schlechte „Neinsager“? …

Die „Zeltfestkultur“ im Mühlviertel ist legendär. Die Jugend trinkt viel zu viel Alkohol und oft wird bei diesen Festen auch wenig Wert auf gute Musik gelegt. Womit wir wieder beim „Abrocken zu Hause“ wären. Siehe Tipp 4 am Anfang dieses Kapitels: Lege dir gute Musik auf, ziehe deine Schuhe oder Schlapfen aus und tanze…

Egal ob du einen Anlass dazu hast oder nicht: Tanzen geht immer! Tanz Baby!